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Leistungssport bei den Ruderschwaben

Die Ruderschwaben sind nicht nur ein Verein für Freizeitruderer, sondern auch eine Talentschmiede für den Leistungssport.

Bei Erwähnung dieser Regatta kommen einem Ruderer vier Gedanken in den Sinn: Eine spektakuläre Regatta vor einer großartigen Stadtkulisse. Eine absolut hochkarätiges, internationales Starterfeld mit einem breiten Elite-Feld. Die berühmt, berüchtigten Wende aus voller Fahrt nach halber Strecke und krankheitsbedingter Ausfälle, die den Trainern im Vorfeld regelmäßig schlaflose Nächte bescheren.

So auch dieses Jahr. Alexander Keller hatte im Vorfeld alle Hände voll zu tun, um den Achter im Trainingscamp in Neckarelz aufs Wasser zu bekommen und mobilisierte dafür gleich mehrere Ruderer, die spontan eingesprungen sind.

Als es dann auch noch in der Woche vor dem Regatta-Samstag zu einem weiteren Ausfall kam, war die Stimmung kurzzeitig auf dem Tiefpunkt. Aufgeben, war aber keine Option und so konnte Alex erneut Ersatz organisieren.  

Nach der frühen Abfahrt in Marbach war Alexander Zeeb als erstes in Basel auf dem zum Bootsplatz umfunktionierten Kasernenplatz angekommen und hatte sich neben der Startnummer die neuesten Infos zur Regatta von der freundlichen Regattaleitung besorgt:

Abladen und Aufriggern sei für alle Boote auf dem Kesernenplatz. Alex und Jonas im Zugfahrzeug waren von dieser Nachricht jedoch überrascht, da die Mannschaft bei den vorherigen Malen viel näher am Ablegesteg abgeladen hatte. Aufriggern auf dem Kasernenplatz würde bedeuten, das Boot knapp 500m zum Steg tragen zu müssen. Nach mehrmaligen Nachfragen bei der Regattaleitung, entgegnete diese etwas zerknirscht, dass es heuer, ganz schweiz-untypisch, leider etwas chaotisch zugehe und wir einfach abladen sollen, wo Platz sei.

Wir entschieden uns dann letztlich doch für den Kasernenplatz, auch weil es das Treffen mit Michael, Mia, den Neckarelzern Sebastian und dem Heilbronner Bodo und den beiden Aschaffenburgern Felix und Dirk deutlich vereinfachte.

Auf dem Rhein hatten in der Zwischenzeit schon die Sprint-Rennen begonnen und wir konnten nach dem Aufriggern den Mannschaften bei ihren Startvorbereitungen zuschauen und über deren Besetzungen und Technik fachsimpeln.

Als es dann den Mittag zuging, machten wir uns mit dem Riva auf den Schultern in Richtung Start-Steg. Durch das Gewusel von Ruderern und Zuschauern ging es gefühlt durch die halbe Stadt. Die letzten Meter davon in quälend langsamen Stop-and-Go in der Schlange der anderen Boote.

Auf dem Wasser war das Gewusel noch schlimmer als an Land: Über 100 Achter waren an dem Tag auf dem Wasser. Die Einen auf dem Weg zum Start, andere schon auf dem Rückweg wieder andere beim Warmfahren und mittendrin wir. Souverän und mit klarer Ansage gesteuert von Mia. Trotz des Durcheinanders die Ruhe selbst.

Bei einer Head-Regatta starten die Boote mit kurzen Zeitabständen und fahren gegen die Zeit. Mit gerade einmal 20 Sekunden Zeitabstand ging dann alles ganz schnell:

Einordnen zwischen den anderen Booten, Beschleunigen, fliegender Start und schon ist man auf der 6,4km langen Strecke der „Mirabaud Classic“ ehe man sich versieht.  

Alex hatte unserer Zusammengewürfelten Mannschaft vor dem Ablegen eingeschärft, den Fokus auf langen Schläge und gemeinsamen Endzug zu setzen. Als Ausgleich dafür würden wir nur 33 Schlägen pro Minuten fahren.

Mit diesem Plan vor Augen und angefeuert durch Mia ging es die ersten gut 3km in Richtung Wende vor dem Wehr. Das Wasser war vergleichsweise ruhig und hatte zum Glück keine Wellen, die in dieser Jahreszeit nicht unüblich sind. Die Strömung war hingegen aber ordentlich und sorgte dafür, dass wir nur quälend langsam voran kamen.

Nach der dritten Brücke war die Wende in greifbarer Nähe, ein kritischer Punkt des Rennens. Oft kommen sich Boote hier gefährlich nahe und manche sogar zu nahe. Andere, defensiver gesteuerte Boote müssen die Fahrt verlangsamen, oder einen Kräftezehrenden Umweg fahren, um nicht zu kollidieren. Doch wir hatten Glück und hatten zu den Booten vor- und nach uns reichlich Abstand. Ein Vergnügen war die Wende dadurch aber trotzdem nicht. Wenn auch die Steuerbordseite für ein paar dankbare Sekunden verschnaufen konnte, musste die Backbordseite umso stärker Schuften.

Glücklicherweise ist das Rennen zu diesem Zeitpunkt aber schon mehr als die Hälfte geschafft: Die Bergauf so lästige Strömung hat uns auf dem Weg Richtung Ziellinie geradezu heruntergetragen. Mit einem Split der teilweise fast eine Minute schneller war, als auf dem Hinweg. Und so waren wir nach einem letzten Endspurt unter die letzte Brücke hindurch irritierend schnell im Ziel. Erschöpft, aber froh und mit dem Gefühl, dass es doch insgesamt "ganz ok" gelaufen war.

Nach dem schon vom Ablegen bekannten Gewimmel an den Stegen. Diesmal aber zum Anlegen, mogelten wir uns kurzentschlossen an den anderen Booten vorbei und gingen am jetzt freien Ablegesteg direkt am Kasernenhof an Land. Schnell und weniger Fußmarsch. Win-Win.

Später, nach dem Aufladen, und mit einem Bein schon unter der Dusche in der benachbarten Turnhalle dann der überraschende Anruf von der Regattaleitung: Wir seien dritte und die Siegerehrung beginne in zehn Minuten. Michi und Mia waren zu dem Zeitpunkt schon leider unterwegs aber wir anderen konnten freudestrahlend einen 50CHF Gutschein (Die Schweiz ist halt einfach die Schweiz) und zwei Dosen "Baseler Leckerli" auf dem Treppchen entgegennehmen. Ein gelungener Abschluss dieses Tages.


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