Ingrid und Walter Gläßer haben es bis zum Schluss richtig spannend gemacht und die angereisten Unterstützer Nicole Weyhing, Tochter von Walter und Ingrid, ihren Söhnen Laurin und Henry, den sehr guten Freunden Birgit und Uwe Sock, Tamara und Walter Pierro sowie dem Notfallkontakt Bernhard Münzing stark auf die Folter gespannt.
Ende Januar meldete sich die Organisation mit einer ersten geschätzten Ankunftszeit: 10/11. Februar. Dann wurde die Geschwindigkeit der beiden wieder sehr hoch und das Zeitfenster verschob sich nach vorne. Kurze Zeit später waren beide wieder langsam. So ging es einige Tage hin und her. Für die Buchung der Unterkünfte und der Flüge war dies nicht sehr förderlich. Anfang Februar schränkte der Veranstalter auf den 10.2.2026 ein, mit dem Hinweis wechselnde Winde können dies nochmals verschieben. Bernhard Münzing entschloss sich, so zu fliegen, dass er am 8.2.2026 morgens für ein Eintreffen bereit war. Nicole Weyhing und ihre Söhne entschieden am 9.2.2026 einzutreffen und die restlichen Unterstützer am 10.2.2026. 2 Tage vor Eintreffen verschob sich der Termin dann auf den 11.2/12.2. jeweils Ortszeit und lange sah es dann wirklich so aus, als ob es der 12.2. werden würde. Rechnen war angesagt, da die Zeiten im Rennverlauf auf UTC lauteten (Greenwich-Time). Lokale Zeit in Antigua ist 4 Stunden früher.
Am 10.2.2026 morgens Ortszeit wurden die bereits Anwesenden über die Ankunftszeremonie vom Veranstalter in Kenntnis gesetzt. Das Ziel befindet sich am Eingang zu English Harbour. Später am Abend war klar, es würde der frühe Morgen des 11. sein, wann die beiden Helden eintreffen würden. Kurz vor Sonnenaufgang trafen sich alle am Siegersteg im Nelson Dockyard und der Rennverlauf wurde mit Argusaugen verfolgt. Gleiches taten die Veranstalter. Mit Schrecken stellten alle fest, dass die beiden in eine Untiefe gerieten und auf einem Riff festsaßen. Das Sicherheitsteam war bereits unterwegs und die Unterstützer liefen zum Zielbereich. Dort wurden alle vom Veranstalter nochmals aufgeklärt. Wie und was genau geschehen war, wussten die Unterstützer noch nicht.
Dann kam das Sicherheitsboot, im Schlepp mit Elsa 2. Kurz vor der Ziellinie bekam das Boot einen Schucker und im Kreiseln überquerte das Boot nach 59 Tagen und 27 Minuten mit Ingrid und Walter die Ziellinie. Bei dem Manöver wurde klar, dass das Boot nicht mehr gesteuert werden kann.
Die begeisterten Begleiter machten einen Höllenlärm, während Walter und Ingrid rote Notfackeln gezündet hatten, die sich an Bord befanden. Es war die Party auf dem Wasser. Dann wurde Elsa 2 an den Siegersteg geschleppt und die Unterstützer beeilten sich dorthin zu kommen. Elsa 2 wurde standesgemäß von den Schiffsirenen der großen Yachten begrüßt – ein Höllenlärm. Am Siegersteg nimmt der Direktor des Veranstalters die beiden in Empfang. Noch auf dem Boot eine erste Gratulation: zum Weltrekord für den ältesten Mix-Zweier, der je den Atlantik überquert hat.
Dann steigen beide vom Boot, erschöpft aber sehr zufrieden und werden von den Angehörigen die Arme genommen. Ein kurzes Interview in Deutsch und Englisch, dann werden beide verwogen und ein Bild gemacht – zum Vorher/Nachvergleich. Sie werden an einen vorbereiteten Tisch geführt, wo beide nach 59 Tagen endlich wieder etwas gutes Essen dürfen. Alle anderen setzen sich dazu. Die Sonne entfaltet seine ganze Pracht und so keiner will so richtig los. Alle wussten, dass das letzte Boot in einigen Stunden ankommen sollte. So haben alle auf diese Ankunft gewartet. Ingrid und Walter verspürten dann wieder Hunger, so dass alle dann sich an Burgern, Eis und verschiedenen – auch alkoholhaltigen Getränken labten – endlich wieder mal ein Bier. Für Ingrid und Walter war das Laufen auf dem Land mühsam, der Gleichgewichtssinn war auf Wellen und Meer eingestellt. Etwas Hilfe war notwendig, im Laufe des Aufenthaltes wurde dies jedoch sehr schnell besser, auch wenn immer wieder eine große Welle sie überrollte.
Als das letzte Boot eintraf und auch dieser Ruderer gefeiert wurde, waren Ingrid und Walter mittendrin. Atlantikrudern verbindet. So langsam sollte ein Bett her und gemeinsam brachten alle die beiden in ein nahe gelegenes Hotel, wo sie duschen und ruhen konnten. Nicht lange, wie sich herausstellte. Ein Teil der Unterstützter, der noch fit war, begleitete beide in eine Pizzeria, wurde nochmals ordentlich geschlemmt wurde. Es wurde spät an diesem Abend.
Wie nach jeder Regatta ist nach dem Rennen Boot verladen angesagt. Dazu trafen sich Unterstützer und Ingrid und Walter am 12.2. früh um 8.45 Uhr am Boot und begannen das Werk. Die Sonne schien, so dass nasse Sachen zum Trocken ausgelegt werden konnten – und es war viel nass. Alles kam aus dem Boot raus und nicht gebrauchte, aber noch vollständig verpackte Lebensmittel wie auch Medikamente wurden gespendet. Der Sicherheitsbeauftragte inspizierte den Anker (schwer), die Unversehrtheit der Rettungsinsel (schwer), die dazugehörigen Rettungsanzüge und Wärmeanzüge, sowie Treibanker. Die Inspektion wurde glänzend bestanden und die Papiere (Pässe und Bootsverschiffungsbestätigungen (Zoll!)) wurden übergeben. Für Walter war gegen Mittag ein Friseurtermin vereinbart und frisch rasiert und Haare geschnitten, gab er die letzten Anweisungen zum Verstauen von den Sachen, die mit dem Boot in die Heimat gehen. Zuvor hatte Ingrid die Truppe meisterlich dirigiert. Zur Belohnung gab es für alle ein Mittagessen im Nelson Dockyard.
Vor allem während des Bootsäubern wurden beide von vielen angesprochen. Die Bewunderung war allenthalben zu sehen. Und dann waren noch einige von Booten da, die früher eingetroffen waren. Mit großem Hallo begrüßten sich alle und der Stolz aller für diese Leistung war zu sehen.
Am nächsten Tag zogen dann Ingrid, Walter, Nicole, Laurin, Henry, Birgit und Uwe in ein Ressort in der Nähe der Hauptstadt von Antigua, um zu entspannen und sich noch einige Dinge anzuschauen. Der Autor begleitete die Truppe noch bis dahin und dann war seine Zeit als Notfallkontakt abgelaufen.
Während wir beim Essen zusammen saßen, erzählten Ingrid und Walter wie es Ihnen so gegangen ist. Nicht alles soll hier wiedergegeben werden, beide werden im Bootshaus mehr darüber berichten. Der Temin folgt.
Soviel sei schon verraten: Atlantikrudern hat nichts, überhaupt nichts mit Costal Rowing oder Flachwasserrudern zu tun. Es gilt Strömung und Wind gut zu nutzen und diese beiden Elemente die Hauptarbeit leisten zu lassen. Das Rudern besteht aus kurzen Schlägen und dient vor allem der Bootsstabilisierung. Schlechtes Wetter heißt stärkere Winde und höhere Wellen (so bis zu 10 m hoch) oder Flaute. Das Meer ist immer bewegt und Wellenhöhen von 1 bis 2 m sind niedrig. Da es nichts gibt, was Wellen brechen bremsen können, haben auch Stürme weit weg Auswirkung, Wellen laufen nicht gleichmäßig, sondern kommen häufig kreuz und quer – das Boot schaukelt entsprechend, Da die Wellen z.T. höher sind als das Boot, sieht man außer Wasser nichts!
Walter und Ingrid haben viel Wasser abbekommen – von den Wellen, die über das Boot schlugen, vom Regen und von der Feuchte in der Nacht, die sich über Boot, Kleidung, Schlafsack etc. ausbreitete.
Besonders die letzten 2 Tagen waren schlimm, an denen es sehr viel regnete und beide ihren wasserdichten Anzug anzogen. Davor waren sie patsch nass. Zur gleichen Zeit gab es auch auf Antigua viel Regen. Um dem endlich zu entfliehen, beschlossen beide das letzte Stück durch zu rudern und nicht mehr zu schlafen. Die Wellen zeigten sich wieder von der unfreundlichen Seite mit guten Höhen. Sie sahen Land und beschlossen etwas weiter unter Land zu fahren. Vor der Küste schob der Wind jedoch nicht Richtung Süden – sondern drückte sie ans Ufer. Ein Zerschlagen des Bootes an den Felsen konnte verhindert werden, allerdings saßen, beide auf einem Korallenriff auf. Beim Versuch sich frei zu rudern, wurde das Steuer verloren und das Schwert ging kaputt. Der Führer des Sicherheitsbootes, ein ausgewiesener Kenner der Gewässer um Antigua konnte beide mit richtigem Einsatz von Wellen und ziehen befreien und abschleppen. Alle konnten wir den Kenner kennenlernen und haben mit ihm etwas gefeiert.
Und zum Schluss noch ein Satz von Watler: Wir haben vieles nicht optimal gemacht – würde er nochmal fahren, wäre manches anders, die Verpflegung (mehr haltbare Dosenware einschließlich Fleisch), viel häufiger das Boot von Seepocken und anderem Getier befreien – dass erhöht die Geschwindigkeit auf das Zweifache und viel mehr zu zweit fahren und die Schichten von Anfang so gestalten, wie beide das im Laufe der Zeit gemacht haben. Walter: „ das hätte sicher die Zeit um 5 -8 Tage gekürzt“
Und ganz zum Schluss noch eine letzte Anmerkung: Ingrid und Walter gehören jetzt zum Erlauchten Kreis derer, die dem Club der Atlantikruderer angehören. Diese treffen sich am Tag unserer Mitgliederversammlung zum Feiern in London. Wie mir einer aus dem Kreis der Veranstalter sagte, wird dort viel fachsimpelt und Erfahrung ausgetauscht. Experten unter sich. Wir können nur staunend daneben stehen.